14.2.2013: Wieder einmal vor 6 a.m. Tagwache. Unser Ziel ist heute die Taieri Gorge Railway und da sollen wir uns um 9.15 a.m. einfinden. Also Duschen, Frühstücken und ab zur Bushaltestelle. Man muss den Campingplatz eben so aussuchen, dass der Bus direkt davor abfährt. Am Bahnhof angelangt waren schon Dutzende Gäste in "Wartelaune". Das wunderschöne Bahnhofgebäude verkürzt aber die Zeit immens. Rechtzeitig suchten wir unsern Platz in Wagen "E". Mit fast einer halben Stunde Verspätung rumpelte der Zug los. Maria und ich waren uns nicht ganz sicher, ob unter jeder Bahnschwelle ein Schotterstein lag. Any Way - langsam tuckerten wir mit sieben angehängten Wagen in ein gottverlassenes Tal hinein. Eine Fahrt ins Muotathal hätte im Vergleich grad grossstädtischen Charakter. Ehrlich, nur Steine, Wasser, Berge, karge Alpweiden. Wem kam es überhaupt in den Sinn in dieses verlassene Gebiet eine Bahn zu bauen? Bahntechnisch eine gewaltige Herausforderung, Brücken, Tunnels, weitere Kunstbauten waren erforderlich um Züge auf diesem Trassee fahren zu lassen.
Der Kondukteur/Schaffner hat bei der Kontrolle natürlich wieder gefragt woher wir kommen. "Ah, from Switzerland. I was in Lucerne and Pilatus. A beautiful place. Irgendwo hat der Zug dann angehalten. Bei der Einfahrt des Zuges in diese Station hat eine Frau noch ihre letzten "Sheeps" am Verkaufsstand aufgestellt. Die nun ausgestiegenen Touristen kauften. Weit und breit aber kein Dorf. Geschäften können die Neuseeländer aber. Nach der Weiterfahrt gelangten wir mit fast einer Stunde Verspätung zum Bahnhof Pukerangi - Endstation unseres Zuges. Wer hier aber ein Dorf oder etwas ähnliches erwartet hatte wurde Lügen gestraft. Nur ein kleines Wartehäuschen steht da. Aber ohalätz, die geschäftigen Leute hatten "Openair-Stände" aufgestellt wo Pullover, T-Shirts und Mützen angeboten wurden. Aber auch Schmuckhändler und Bücherverkäufer boten ihre Waren an. Erstaunlicherweise liessen sich viele Zugspassagiere von den Angeboten überzeugen und kauften ein. Eine halbe Stunde später ging's wieder zurück nach Dunedin. Unterwegs entdeckte ich in einer Schlucht zwei Eisenbahngüterwagen die irgendwann abgestürzt sind. Vertrauenserweckend, mussten wir doch noch etliche Kilometer in dem unwegsamem Gelände zurückfahren. Mit fast einer Stunde Verspätung sind wir wieder in Dunedin eingetroffen.
Anschliessend mussten wir den Camper auf dem Campingplatz holen und in eine uns zugewiesene Werkstatt fahren. Das einzige was jetzt funktioniert ist die Warmwasseraufbereitung. Der Rest bleibt gleich. Maria und ich wandern ja so gerne, dass wir auch in der Nacht einen Spaziergang zur nächsten Toilette im Campingplatz machen. Jetzt fehlt dann nur noch, dass wir das Fahrzeug nach CC zurückziehen müssen!!!
15.2.2013: Bevor wir zu unserem Tagesziel Owaka wegfahren besuchen wir auf Otago Peninsula das Castle Larnach, übrigens das einzige Schloss in Neuseeland. In Europa wäre dies allerdings nur ein Herrschaftshaus liest man in den einschlägigen Lektüren. Erbaut wurde dieses Schloss von William Larnach für seine erste Frau. Deren hatte er aber drei. Die zwei ersten sind gestorben und die Dritte hatte allem Anschein nach mehr Freude am Stiefsohn als am Vater. Mit den Jahren ist dieses Haus verlottert. Es diente noch als psychiatrische Klinik, als Gebäude für Einwanderer und wie man liest zuletzt noch als Schafstall. Im Jahre 1967 hat eine Familie Barker dieses Gebäude samt dem grossem Umschwung von 35 ha gekauft und während 35 Jahren wieder so hergestellt, wie es sich eben für ein solches Haus geziemt. Und draussen die schön gepflegten Parkanlagen - eben wieder "very British".
Anschliessend fuhren wir von diesem Schloss runter an die See und via Portobello testeten wir unsere Verkehrssicherheit nochmals in der Stadt Dunedin. Gemütliche Fahrt über Land. Kühe, Schafe - oder - Schafe, Kühe. Maria hat sich einen kleinen Campingplatz direkt am Südpazifik ausgesucht. Wirklich direkt - wenn man Ebbe und Flut einrechnet kann man nicht näher dran fahren. Nach einem Kaffe haben wir uns aufgemacht die Region ein bisschen zu durchwandern. Nach ein paar hundert Metern waren wir am Ufer. Bereits im Gebüsch drin entdecken wir etwas Seltsames. Es war ein Sealionsbaby (Seelöwenbaby) der Hookers, einer sehr seltenen Seelöwenart. Unser Herz hüpfte vor grosser Freude. Ein paar Meter dem Strand entlang haben wir die Eltern entdeckt und etwas weiter vorne nochmals ein Hookers-"Ehepaar". Das war doch absolute Spitze, mit so einer Begegnung haben wir überhaupt nie gerechnet. Dem Baby konnte ich mich auf ca. 1.50 m annähern um eine Fotoaufnahme zu machen. Bei den alten beiden Tieren hat uns der Respekt doch einen grösseren Abstand von etwa 10 m abverlangt. Wie Maria dann im Dumont gelesen hat, können die lauten Schreie dieser Tiere doch vermitteln, "Hau ab". Soweit liessen wir's nicht kommen. Gegen 9 Uhr p.m. war die Flut wieder auf dem Höhepunkt. Wir hörten plötzlich Laute ähnlich wie sie Kühe von sich geben. Aber hallo, grad hinter unserem Camper sind aus dem Wasser zwei solcher Seelöwen aufgetaucht. Für uns Bergnomaden ein Erlebnis ganz besonderer Art.
16.2.2013: Heute mussten wir in Owaka zum ersten Mal den Camper mit Diesel versorgen. Es ist hier ratsam, wenn der Tank noch einen Drittel Inhalt hat, nachzutanken. Man kann gemäss den nicht ganz genauen Strassenkarten nicht abmessen, in welchem Dorf wieder eine Tankstelle zur Verfügung steht. Der Tankstellenhalter in Owaka hat's aber Faustdick hinter den Ohren. Liegt doch das Dieselangebot bei $ 1.549 im Normalfall liess sich dieser Tankstellenhalter $ 1.639 pro Liter gutschreiben. Ja, es ging dann sehr lange bis wieder eine Nachfüllstation gekommen wäre. Es mahnt mich ganz an eine Tankstelle in Andermatt!
Unterwegs Halt für einen Spaziergang zu den Purakanui Wasserfällen im Regenwald. Wie sonst üblich sieht und hört man dort Vögel und Affen. Ich glaube aber, in diesem Regenwald haben wir diese Rollen selbst übernommen.
Einen weiteren Stopp legten wir beim "Florence Hill" Lookout ein. Wau! Ist das ein Blick übers weite Meer. Wellen, blaues Wasser, schöne Strände.
Unsere Fahrt nach Invercargill verlief mühsam. Soviel Wind auf einer so langen Strecke habe ich noch nie erlebt. Immer und immer wieder war volle Konzentration gefragt, damit wir nicht nebenan im Strassengraben landeten. Wir fuhren zuerst den Campingplatz in Oreti Beach an. Bei unserer Ankunft heulten plötzlich Motoren auf. Wir waren neben einem Motodrom und das müssen wir sicherlich nicht haben. So sind wir etwas weiter gefahren und haben einen schönen Platz etwas ausserhalb von Invercargill gefunden. Kaum hatten wir unser Fahrzeug an Strom und Wasser angeschlossen kam uns Ben besuchen.
17.2.2013: Maria kocht erstmals 3-Minuten Eier auf dem Gasherd. Andreas fehlt - es gibt keine Omegaeier.
Nach dem Frühstück fahren wir gemütlich die Route, welche uns die Receptionisten im Camping Invercargill empfohlen hatte. Zuerst ein kurzes Wegstück auf der Strasse Nr. 6 und nachher abbiegen auf die 99. Diese Strasse ist extra geschaffen für uns. Wir sind auch nicht ganz hundert. Es hat sich gelohnt. Was wir da alles zu sehen bekamen. Wellen, Strand in einer unglaublichen Weite. Der Waewae Bay ist daselbst 27 Kilometer breit. Maria und ich denken, als der liebe Gott die Welt erschaffen hatte, war er mindestens eine Woche in dieser Region.
Bald sind wir nach Schwarzenberg gekommen, der Heimatgemeinde von Maria. "Blackmount". Für einmal war Maria die einzige, die an der Burri-Tagung 2013 teilnahm. Eine Schule, ein Tennisplatz, ein Hallenbad und ein Gemeindezentrum, das war's. Weit und breit keine Häuser. Wir fragen uns, woher diese Kinder alle in die Schule kommen. Aber irgendwo müssen ja die vielen Schafe und Kühe ja auch zu Hause sein.
18.2.2013: Brrrrrrrrrrrrrrrrr. In der vergangenen Nacht war's saukalt. Die Scheiben am Camper waren aussen gefroren. Beim Duschen gab's wegen der vielen Gäste ein kleineres "Puff". Aber schlussendlich konnten wir unsern täglichen Unterhalt doch abwickeln.
Zu den Sandflies an den Milford Sound wollten wir nicht und ein Ausflug zu den Doubt Sounds war bereits tags zuvor ausverkauft. So sind wir mit einem Katamaran auf dem Lake Te Anau gekreuzt und bei der "Glühwürmchen-Grotte" haben wir angelegt um diese Höhlen zu besichtigen. Ein überaus interessantes Unterfangen. Vor 35 Mio Jahren hat der Ozean Sand und weitere Materialien abgelagert. Durch die entstandenen Spalten ist dann während Jahrtausenden Wasser geflossen und hat dieses Höhlensystem mit Becken, Spalten, Wasserfällen und Vielem mehr geschaffen. Auf Booten wurden wir in der vollen Dunkelheit durch dieses Höhlensystem geführt. Die Hauptdarsteller aber waren die Glühwürmchen. Zu Tausenden klebten diese am Gewölbe dieser Höhlen. Übrigens ist dieser Höhlenbesuch auch ein Fitnessprogramm. Beim Eingang muss man rund 100 m in voll gebückter Stellung "einschleichen" und das mit Kampfpackung am Rücken (Rucksack).
Heute Abend waren wir beim Italiener essen. Es hat fast heimatlich getönt, das Italienisch. Und geschmeckt hat's.
19.2.2013: Es gibt Zufälle im Leben, man kann das nicht verstehen. Ich weiss nicht wie viele Milliarden Leute die Erde bewohnen. Es ist mir auch klar, dass nur ein kleiner Teil davon in andere Länder reisen kann. Aber was sich hier auf dem Campingplatz in Te Anau (sprich Tianu) abspielte gehört zur Spitzenklasse.
Peter, Geschäftsleitungs-Mitglied der Matterhorn Gotthard, ging im vergangenen Jahr in Pension. Mit seiner Frau Vreni hat er eine Weltreise gebucht. Eben heute Morgen steht sein Camper hinter unserem Fahrzeug. Wirkliche Zufälle. Auf unserer Weiterreise heute nach Queenstown wählten sie denselben Campingplatz (von 4 Angeboten). So sassen wir dann am Abend bei einem Glas Wein zusammen und haben über Gott und die Welt diskutiert.
Die Fahrt von Te Anau nach Queenstown gehört zur Spitzenklasse. Das blaue Wasser des Sees Lake Wakatipu, schön eingebettet zwischen zwei Hügelzügen (Hills) erfreuten unser Auge auf den letzten 40 Kilometern. Nach der "Einquartierung" auf dem Campingplatz war unser Ziel der Schiffssteg von Queenstown. Mit dem einzigen noch betriebenen Dampfschiff mit echter Kohlenheizung der Welt, mittlerweile 101-jährig, sind wir nach Cecile Peak Station und wieder zurück gefahren.
Queenstown ist eine Stadt für junge Leute und Adventureliebhaber. Pub's, Restaurants, Banken, andere Geschäfte säumen die Strassen dieser Stadt - aber kein Lebensmittelgeschäft. Um dafür Erkundingungen einzuziehen ging ich aufs Informationsbüro. Ja, ja, das haben wir auch. Gottlob nur ein paar Schritte von hier.
20.2.2013: Als primäre Aufgabe heute Morgen war ein Anruf zu Maui vorgesehen. Endlich konnte ich unser Fahrzeug in einer Werkstatt von Maui in Frankton reparieren lassen. Nach etwas mehr als einer Stunde konnten wir unsere Weiterreise in Angriff nehmen. Wir waren ja gespannt was alles funktionierte. Am Abend in Omarama war die Dusche wieder voll Wasser, die Türe funktionierte nicht immer, aber besser, aber der Tisch wackelte nicht mehr. Immerhin ein Erfolg von gut 30%.
Vor unserer Wegfahrt haben wir Hedi Keller zum 60. Geburtstag gratuliert. Die Familie feiert auch in Neuseeland. Unser Anruf kam allerdings 12 Stunden zu früh (Schweizerzeit hinkt nach). So kam Hedi zu ihrem ersten Geburtstag, welcher 36 Stunden dauerte. Nochmals herzliche Gratulation.
Heute standen zwei Bergpreise auf dem Programm. Jener der ersten Kategorie war die Crown Terrace mit 1076 m schon sehr anspruchsvoll. Steile Anstiege ab Meereshöhe, Harnadelkurven und wies sich geziemt, tolle Aussicht. Später gelangten wir nach Cadrona. Da steht ein Hotel aus dem Jahre 1868, welches 1980 mit viel Sinn für die historische Atmosphäre restauriert wurde. Ein fotogenes Sujet (Z'Hansrüedi würde Schüse sagen) mit einem englischen Oldtimer vor dem Gebäude. In Wanaka haben wir noch einige Einkäufe getätigt, da wir in den kommenden zwei Tagen in der Pampas leben. Aus dem Dorf heraus zu finden war wieder sehr schwierig. Die Neuseeländer haben wieder signalisiert. Juhuiiiiiiiii, wir haben den Ausgang gefunden. Weiterfahrt über den Linsdis Pass nach Omarama. Die befahrene Landschaft zu beschreiben ist nicht möglich und fotografisch gar nicht festzuhalten. Die Wirkung dieses Fleckens Erde kann man nur "Erleben". Das Tal zwischen dem Hawkdem Raida Range und dem Barrier Range (Gebirgszüge) sind so breit, dass man das ganze Goms spielend längsseits hätte platzieren können. Wir konnten nur Staunen - begreifen kann man so etwas nicht.
21.2.2013: Volle Fahrt auf schöner Strasse zum "Peters Look Out". Fantastischer Blick auf den Stausee Pukaki und dann vor allem auf den Mt. Cook. Mit 3'754 m der höchste Berg von NZL. Von der Staumauer aus überwältigender Blick auf den Aoraki (Maorischer Name des Mt. Cook). Dieser Berg diente Sir Edmond Hillary als Trainingsberg für die gelungene Erstbesteigung des Mt. Everest im Jahre 1953. Hillary war Neuseeländer, wurde aber für die Leistung am Mt. Everest von der Englischen Königin in den Adelsstand erhoben.
Weiter ging die Fahrt nach Lake Tekapo. Vorher machten wir einen Abstecher auf den Mt. John. (Observatorium) und genialer Aussichtspunkt in die weitesten Ebenen und Flächen dieser Region. Übrigens der Cappuccino in der Cafeteria hat so gut geschmeckt wie er im Dumont beschrieben ist. Am Lake Tekapo besuchten wir die Church of the Good Shephard, die Kirche des guten Hirten. Erbaut 1953 und ein beliebter Hochzeitsort.
Das Tagesprogramm wies uns den Weg weiter über den "Burkes Pass", 829 müM, via Fairline nach Geraldine. Waren wir vorher durch karge und mehrheitlich braunere Gebiete gefahren wechselt die Vegetaion wieder auf sattes grün und Bäume stehen auch wieder in voller Pracht da. Wieder inmitten der Ortschaft haben wir einen schönen Platz für unsere Übernachtung gefunden. Strom anschliessen, Wassertank nachfüllen, allgemeine Kontrolle am Fahrzeug. Fast wie ein alter "Hase".
So, nun gibts bald unsern heute gekauften Lachs zum Nachtessen. Mmmmmmhhhhhhh fein!
Wir wünschen euch zu Hause eine gute Zeit bis zu unserem nächsten Blog. Weiter geht's über die Hanmar Springs nach Nelson, nach Blenheim, nach Kaikura und dann zurück nach CC. Wir freuen uns, euch wieder Interessantes schreiben zu dürfen.
Herzlichst
Eure Maori-Maria und der Maori- Peter

























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