Sonntag, 10. Februar 2013

Noch ein bisschen Wellington - Jetzt sind wir auf der Südinsel

06.2.2013: Wellington ist eingeklemmt zwischen Bergen und Meer, sie ist politisches Machtzentrum, Kulturhochburg und aufstrebende Filmstadt. Wellington kann hier klassisch schön sein, nostalgisch und romantisch, dort aber wieder hypermodern, weltstädtisch und exzentrisch. In dieser Stadt leben gegen 200'000 Personen.

Wie wir euch bereits im letzten Blog geschrieben haben, war am 6.2. Nationalfeiertag in NZL. Aber ohalätz, von feierlicher Stimmung in ganz Wellington, und das ist immerhin die Hauptstadt dieses tollen Landes, keine Spur. Auf den Baustellen wurde gearbeitet, die meisten Geschäfte boten ihre Waren an. Als wir zum Te Papa Museum schlenderten waren auf diesem grossen Vorplatz Musikdarbietungen und Vorbereitungsarbeiten für Kanurennen, auf Kanus wie diese von den Maoris früher gebaut wurden entweder aus Kauri- oder Totaraholz. Es herrschte so eher eine Marktstimmung als Nationalfeiertag. Auch am Abend, kein Feuerwerk oder ähnliches wie wir das bei uns kennen. Aber es heisst ja, andere Länder andere Sitten.

Wir erkundeten dieses überaus interessante Museum mit Kopfhörern auf eigene Faust. Wir sind aber ehrlich, so gut sind unsere Englischkenntnisse in diesen fast vier Wochen auch noch nicht geworden. Wir konnten alle Erläuterungen in deutscher Sprache hören. Trotzdem, so lernten wir doch ein bisschen die Geschichte der Maoris kennen, aber auch die Entdeckung NZL durch James Cook und die Herrschaft der Engländer während vielen Jahren. Übrigens, in NZL sind quasi alle Museen gratis zu besichtigen. Toll!

Heute war auch Waschtag angesagt. Gemeinsam haben wir's hingekriegt. Die grosse Problematik stellte sich uns, wie schieben wir das Geld rein, dass es auch drin bleibt. Andere spielen in den Ferien Karten und wir halt mit der Waschmaschine.

07.2.2013: Die Rückgabe des Mietwagens bei Europcar in Wellington Airport funktionierte einwandfrei. Ob die etwas angeschliffenen Felgen auf der linken Seite noch Folgen haben weiss ich nicht. Unterschrieben habe ich nichts. Vor der Rückgabe haben wir wie sich dies für saubere Schweizer geziemt, das Auto gewaschen inkl. Innenreinigung. In einem andern Land funktionieren halt gewisse Dinge anders. Also; man geht in den Tankstellenshop-man teilt mit, welches Waschprogramm gewünscht ist-man will noch Staub saugen-man erhält ein Kombiangebot-man bezahlt an der Kasse-man kriegt zwei Quittungen mit Nummern drauf-man fährt in die Waschanlage-man gibt die eine Nummer an einem Gerät ein und los geht's-genau gleiches Verfahren beim Staub saugen-Sauglänge 6 Minuten-und schon ist das Auto sauber. Und dies immer in englischer Sprache. We are very good!

Mit dem Bus ging's zurück ins Zentrum. Nächstes Ziel war ein Ausflug auf den Hausberg von Wellington, auf den Kelburn. Erschlossen mit einer Standseilbahn schweizerischer Herkunft. Die Rundsicht da oben war einmalig. Nicht zu übersehen waren aber auch die sehr vielen dicken Leute. Eine Familie; Vater sehr dick (man kann dies nicht mehr korpulent nennen), Mutter sehr dick, Tochter sehr dick und hat nacheinander Salznüssli geknabbert und die Kleinste hat bereits Beine, dass da drauf auch eine stattliche Carosserie gebaut werden kann. Oben im Museum haben wir uns einen Film über Wellington, maorisch genannt Te Whanganui-a-Tara, angeschaut. Die tollen Villen am und auf den Hügeln rund um die City mit Blick auf den Wellington Harbour sind mit Kleinstseilbahnen erreichbar. Diesen schönen und wiederum ereignisreichen Tag haben wir mit einem Mövenpickeis, "The Swiss Premium Ice", wie es angeboten wird, abgeschlossen.

08.2.2013: Heute ist unsere grosse Überseereise. Tagwache um 5.30 a.m. Der Taxi steht pünktlich um 7 a.m. vor dem Hotel. Wir fahren zum Ferryterminal der Interislander Gesellschaft. Auf der Fahrt erzählt uns der Taxifahrer, dass seine Company der grösste Taxiunternehmer in Wellington ist mit 650 Fahrzeugen. Alles Toyotas mit Hybridantrieben. Die Fahrzeuge blitzblank geputzt und innen clean. Er ergänzte unsern Wissensdurst mit Angaben über das Fährschiff Kaitiki. Es fasst 1'600 Personen und 600 Fahrzeuge. Diese werden mit Liften auf Zwischenbühnen gehoben. Allerdings hat der Rundblick von Maria und mir ergeben, dass für dieses Schiff einmal eine gründlichere Überholung gut täte. Ich entdeckte dann, dass dieses Schiff früher auf den Namen Cherbourg getauft war und zum Teil auch für die Stenalinie gefahren war. Heimathafen war früher Portsmouth. Ich erinnerte mich aber an einen Artikel den ich irgendwo gelesen habe, dass Schiffe nie umgetauft werden sollten, das bringe Unglück. Wir auf jeden Fall sind glücklich in Picton gelandet. Dieses Schiff gilt übrigens als das grösste Fährschiff in NZL.

Neuseeland ist ein der Schweiz gut gesinntes Land. Rolltreppen und viele Liftanlagen sind von Schindler, in vielen Geschäften werden Victorinoxmesser angeboten, Bernina-Nähmaschinen haben wir in einer Schneiderei entdeckt, auf dem Schiff war die Kaffeemaschine von Jura. Claudia hat uns seinerzeit ein MMS geschickt, dass der Appenzellerkäse für $ 65 das Kilo verkauft wird. Sollten wir uns entscheiden, doch hier zu bleiben, so wäre doch noch Vieles aus der Schweiz da.

Auf dem Fussweg von der Ferry zum Hotel gingen wir am Bahnhof Picton vorbei um uns zu erkundigen, wie wir den bereits bezahlten Gutschein in die Zugfahrkarte umtauschen müssten. Der Trans Coustel Zug von heute stand im Bahnhof Picton, welcher diesen um 13 p.m. verlassen müsste. Dann kam mein grosser Auftritt. Aus irgend einem Grund musste beim Speisewagen die Invalidenrampe ausgefahren werden. Diese Rampe sollte nun wieder eingefahren werden. Sollte. Nichts ging mehr. Die Zugbegleiterin hatte keine Ahnung was zu tun ist, der Lokführer blieb in seinem Führerstand. So hat sich ein Kanadier und ich dieser Sache angenommen. Weil der elektrische Antrieb versagte musste halt die Hydraulik von Hand betätigt werden. Der Kanadier bediente die Pumpe und ich half ihm von aussen dieses Gestell in die richtige Lage zu bringen. Wir haben's geschafft, ich habe die Türe von aussen geschlossen und nun war der Zug Abfahrbereit. Mit 15 Minuten Verspätung hat dieser Zug den Bahnhof Picton verlassen. Stört aber weiter nicht, weil auf dieser Strecke nur ein Zugpaar von Christchurch (CC) nach Picton und zurück verkehrt. Die übrigen Züge verkehren als Güterzüge.

Nach dem Zimmerbezug spazierten wir durch die schönen Parkanlagen am Hafen. "For sale" steht nicht nur an vielen Häusern, nein auch tolle Boote werden zum Kauf angeboten. Die Preise bewegen sich in ansehnlicher Höhe. es gab welche die zum Preis von über $ 700'000 angeboten wurden. ein einfacheres Haus kostet da zwischen $ 250'000 und $ 400'00. Wir bestaunten den Bootshafen mit den teilweise ganz exklusiven Schiffen. Setzten uns ins Restaurant für einen Drink und gingen dann zum Nachtessen.

09.2.2013: Anderntags haben wir uns samt Gepäck im Park auf ein Bänklein gesetzt und unsere Seele baumeln lassen. Zwischendurch spazierte ich zum Bahnhof um meinen Gutschein in Boardingkarten umzutauschen. Im Wagen X wurden uns die Plätze 1A und 1B zugeteilt. Die Wagen sehen ähnlich aus wie jene des Glacier Express.

Leicht verspätet verliess der Trans Coustel Picton. Eine atemberaubende Zugfahrt steht uns bevor. Abends um halb sieben sollten wir die 350 Km lange Strecke bewältigt haben. Das wäre in der Schweiz die Strecke von Genf nach Romanshorn. Was wir da alles erlebt haben. Streckenerklärung via Kopfhörer, zeitweise befahren wir Bergstrecken, dann wieder minutenlang durch Reben (Marlborough), über 175 Brücken (teilweise mehr als 700 m Länge), durch 22 Tunnels, rund 100 Km der Pazifischen Küste entlang wo wir Seehunde beobachten konnten und wo die Chilenische Küste nur noch 9'000 Km entfernt liegt, an künstlich angelegten Salzfeldern vorbei, entlang einem Ferienort mit nur drei Ferienhäusern in gelber, grüner und blauer Farbe gehalten. Das stimmt, diese Information wurde über die Streckenerläuterung gegeben.

Aus diesen Salzfeldern werden jährlich 70'000 Tonnen Salz gewonnen, welches zu 5% im Eigenbedarf genutzt wird. Die übrigen 95% gehen in den Export. Scharfe Sache.

Nach Ankunft in CC geht's zum Taxi. Wir haben ja gottlob ein Zimmer in einem Hotel reserviert. Seit dem Erdbeben am 11. Februar 2011 sind die Hotelzimmer sehr rar. In der Stadt ist deshalb fast nicht zu bekommen. Also weicht man aus in die Nähe des Flughafens. Aber eben, ohne Auto bist du aufgeschmissen, den dieses Hotel wird auch von keinem Linienbus angefahren. Dafür entschädigt uns die einmalige Lage, vom Zimmer aus direkter Zugang zum See inmitten einer zauberhaften Golfanlage.

10.2.2013: Tags darauf geht's mit einem Taxi zum Airport. Ortskenntnisse aneignen, schliesslich fliegen wir am 5. März ab CC zurück nach Auckland. Bei einer Tasse Kaffee mit "Free-Wifi", wieder mal schauen wie kalt es in der Schweiz ist. Dann ging's mit dem Airportbus in die Stadt. Gleich anschliessend haben wir an einer stündigen Stadtrundfahrt teilgenommen. Vom offenen London-Doppeldeckerbus hatten wir eine schöne Übersicht. Leider war das was wir zu sehen bekamen eher traurig. Diese Fahrt bewegte sich mehrheitlich in dem Stadtteil, welcher vom Erdbeben am schlimmsten betroffen wurde. Heute ist dieser Stadtteil eine Geisterstadt. Viele Häuser sind in sich zusammengefallen, viel ist schon ausplaniert, viele Häuser sehen von aussen "in Ordnung" aus, können aber aus Gründen der Sicherheit nicht mehr bewohnt werden. Beim Wahrzeichen der Stadt, der Kathedrale, stehen nur noch die Mauern. Die Türme sind in sich zusammengestürzt und Teile der Seitenwände werden mit grossen Schiffscontainern gesichert, damit diese nicht nach aussen fallen können. Maria und ich kannten solche Vorkommnisse bis anhin nur aus den Medien. Aber wenn man so etwas in der Realität betrachtet, tut's schon weh. Um wieder ein bisschen Leben in die City zu bringen, hat man eine Containerstrasse aufgestellt, wo allerlei im Angebot steht. Am Ende dieser Strasse ist eine grosse Absperrung, damit niemand die Sperrzone betreten kann. Dieses Bild erinnerte uns an die Berliner Mauer. Man spricht hier in CC von rund 20 Jahren, bis CC wieder voll lebensfähig sein wird. Man bedenke aber dabei, NZL ist ein hoch industrialisiertes Land. Was passiert nach solchen Katastrophen in andern Ländern?

Gesamthaft gesehen können wir uns über CC kein gesamtes Bild machen. Wir speichern halt die Eindrücke so wie wir die Stadt erlebt haben. Festgestellt haben wir aber, dass eine Stadt ohne prosperierende City so ist wie ein Mensch ohne Herz.

Der Stadtführer hat während der Rundfahrt gesagt: "Wood is good". Hier in NZL werden viele Häuser mit Holz gebaut, sind nicht unterkellert und deshalb weniger gefährdet bei solchen Ereignissen.

11.2.2013: Am Vormittag haben wir uns zur "Maui" Campervan-Vermietung begeben. Autsch, was da los war! Jeder wollte ein solches Fahrzeug mieten. Ach du meine Güte, wir hätten eigentlich drei Wochen das Fahrzeug gemietet. Können wir heute überhaupt wegfahren? Ja, selbstverständlich hat's zeitlich gut gereicht. Vorher erhielten wir ein Latop mit einer eingelegten DVD, wo wir die Bedienung dieses Fahrzeuges erfahren konnten. Auf der DVD stand English and German, der Ton war aber nur in Englischer Sprache widergegeben. Gas, Stromanschluss, Küche, Warmwasser. Am Ende dieser Vorführung war man fast so schlau wie vorher ohne Kenntnisse. Mittags um 12 a.m. konnten wir unsere 1. Camper-Reise antreten. Achtung; Fahrzeughöhe 3 m (Durchfahrten), 2 m Breite und 7,20 m Länge. Vorher gab's noch etliches zu beanstanden. Man wollte uns nochmals eine Versicherung "anhängen", das Besteck war so schmuddlig, dass wir verlangten, dieses auszutauschen, innert ein paar Minuten Autokontrolle auf Dellen, Lackschäden etc.

Auf direktem Weg fuhren wir nach Ashburton, wo wir uns in unserem Leben zum 1. Mal als Camper outeten. Da ich meiner Sache noch nicht so sicher war, gab's halt nur ein kaltes Z'Nacht. Aber der Wein hat sehr gemundet.

12.2.2013: Geschlafen haben wir gut und anderntags hiess unser Ziel Waitaki. Wir kamen sehr zügig voran und haben's sogar bis Oamaru geschafft. Da stehn wir jetzt bei einem Kaffee in unserem Eigenheim und schauen nach und nach den Neuzuzügern zu. Heute gibts gemäss Küchenchef warme Küche. Bin gespannt!!!!

Für Newcomer im Sektor "campieren" sind die Spaghetti auf dem Gasherd sehr gut gewesen. Es ist halt schön, wenn man eine Frau hat die gut kochen kann. Auch den Abwasch haben wir schon gut im Griff. Allerdings hat unser Campervan einige Macken: Das Wasser heizt nicht auf, zuerst konnten wir den Gasgrill nicht "beflammen". Wasser in der Duschewanne ohne WC oder Duschebenützung. Die Schiebetüre kann man von zehn Mal neun Mal von innen nicht öffnen. Der Esstisch wackelt. Heute habe ich Maui diese Unannehmlichkeiten telefonisch mitgeteilt.

13.2.2013: Heute geht's von Oamaru weiter nach Dunedin. Unterwegs, in Moeraki, haben wir die Moeraki Boulders bestaunt. Steine die am Strand von Moeraki liegen, deren Herkunft nur auf Mutmassungen beruht. Anschliessend ging's weiter nach Dunedin. Von den 120'000 Einwohnern sind ca. 20'000 Studenten. Dunedin trägt den gälischen Namen der schottischen Stadt Edinburgh. Schotten gründeten 1848 diese Stadt. Sie ist somit gleich alt wie die Eidgenossenschaft. Übrigens Dunedin heisst auf maorisch Otepoti.

Das moderne Leben kontrastiert historische Bauten aus der Boomzeit Ende des 19. Jahrhunderts als die grösste und reichste Stadt der jungen Kolonie sich Repräsentatives leisten konnte. Sogar ein Schloss mit einer grauen Dame gibt es. Dunedin ist zudem Badeort mit tollen Stränden am Pazifik. Es ist eine Stadt mit Profil dank der Hügel vulkanischen Ursprungs, über die sie sich ausdehnt. Und wo sonst könnte man in einer Grossstadt an einem Nachmittag Robben, Seelöwen, Albatrosse und Pinguine in freier Natur sehen.

So, das wär's wieder mal. Maria kocht das Nachtessen, mir knurrt der Magen, draussen windets. Es ist so saugemütlich in diesem fahrbaren Heim. Ja, wir wissen's, für uns war das Campieren nie so im Vordergrund und wir haben dann auch so unsere Bemerkungen gemacht. Nun haben wir die Möglichkeit uns daselbst auch einzubeziehen. JuhuiiiiiiiIi.

Herzlichst grüssen

Maria und Peter

PS: wie wir gelesen haben ist in Wellington eine 30-jährige Frau und Mutter von 8 Kindern gestorben, weil sie täglich mehr als 10 Liter Coca Cola getrunken hatte. (Kein Witz).





































Sonntag, 3. Februar 2013

Von Taupo geht's Richtung Süden - Wellington

Am Morgen vor unserer Abreise stellte uns Kristine einen Gast vor, welcher auch Deutsch sprach. Eine hübsche Frau, Maria und ich schätzten sie auf 35 Jahre. Jetzt wird's bunt. Sie ist eine Argentinierin, welche in Frankfurt am Main und in Halle gelebt hat. Sie ist momentan in NZL und hat am 23. Januar mit Freunden daselbst ihren 50. Geburtstag gefeiert. Ja, so haben wir uns mit dem Einschätzen des Alters noch selten verhauen. Schade, dass wir beide weiterreisen mussten, das hätte noch ein interessantes Gespräch gegeben. Doch vielleicht kann dies noch nachgeholt werden. Wir tauschten die Emailadressen aus falls die Maria Laura einmal in die Schweiz kommt oder wir mal nach Argentinien reisen würden. Ja was sich da plötzlich für neue Pläne schmieden lassen.

Auf dem Weg von Rotorua nach Taupo haben wir in Waimangu einen längeren Zwischenhalt eingelegt. Wir besuchten dort das Volcanic Valley. Maria und ich kannten die Vulkane bis anhin nur aus den Schulbüchern und aus den Medien. Nun aber auf einmal inmitten eines solchen Vulkangebietes sich bewegen zu können war für uns beide schon fast "adventuremässig". Es kitzelte schon ein bisschen an den Fusssohlen. Dieses Gebiet entstand mit dem Ausbruch des Mt. Tarawera im Jahre 1866. Der Bratpfannensee ist der grösste heisse See der Welt. Ca. 50 Grad heiss ist das Wasser - es scheint aber zu kochen: Gase blubbern vom Grund herauf. Den Wegen entlang dampfende Felswände und langsam entstehende neue Sinterterrassen, der verstopfte Schlund des einst grössten Geysirs der Erde - er spukte zwischen 1901 und 1904 Schlamm und Geröll bis 500 Meter in die Höhe. Der gruselige Infernokrater ist mit hellblauem, 80 Celsius heissem, sehr saurem Wasser gefüllt, das in einem 6-Wochen Rhythmus ansteigt bis der See überläuft. Nach maximal drei Tagen fällt der Wasserspiegel dann rund 10 m und das ganze Spiel beginnt wieder von vorne. Auf halbem Weg sind wir in einen Kleinbus eingestiegen und so auf der staubigen Strasse zum Ufer des Lake Rotomahana hingelangt. Dort stiegen wir auf ein Motorschiff um, welches uns über den See, an dampfenden Berghängen vorbei zu jenen Plätzen hin, wo im Jahre 1866 die weissen und die rosa Sinterterrassen versanken. Wir waren nur zu viert auf diesem Schiff und konnten uns so frei bewegen. Die gewonnen Eindrücke machten uns sprachlos - und das heisst bei mir doch etwas.

Weiter ging's dann wieder Richtung Taupo. Auf einer schnurgeraden Strasse stand links am Strassenrand ein Auto, man wies uns mittels roter Flagge an, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Maria dachte sofort an eine Polizeikontrolle. Doch nichts damit. Wir mussten anhalten und vor unsern Augen wurde eine ca. 900 - 1000 Stück zählende Viehherde über die Strasse getrieben. Das ganze Schauspiel dauerte gut 5 Minuten. Ich stellte mir vor wie der Kluser Sepp in Fiesch seine 10 Kühe 100 mal über Strasse schicken müsste um auf eine gleiche Anzahl Tiere zu kommen.

Taupo, wiederum ein Ziel für "Adventuer" hungrige. Doch auch für uns gabs Angebote. So sind wir anderntags mit einem kleinen, ca. 30 Personen fassenden Kutter auf dem Lake Taupo zu den Felszeichnungen der Maori gelangt. Eindrücklich für was die Ureinwohner von NZL zur damaligen Zeit fähig waren. Hut ab. Während unserer 2-stündigen Schifffahrt haben wir, so meinen wir, fast sämtliche Wassersportarten beobachten können. Am späteren Vormittag hatten wir im Tourismusbüro noch unsere Ferryfahrt von Wellington nach Picton gebucht und zwar in der Lounge mit Frühstück. Maria und ich denken, dass das allenfalls die beste Abmagerungskur sein kann. Bei allfälligem Wellengang können wir dann die Fische füttern.

Von Taupo nach Napier haben wir wieder die NZL Strassensignalisation kennen und lieben gelernt. Fanden wir doch in Napier vorerst kein Informationsbüro und sind dann so in die 20 Kilometer entfernte Stadt Hastings gelangt. Dieser Umweg hat sich gelohnt. Wollten uns doch die NZL die schöne City zeigen, vollbehangen mit Blumenampeln, wirklich echt schön. Ein Sandwich und eine Cola hat unsere Laune aber sofort wieder aufgehellt. So haben wir nach einem intensiven Kartenstudium entdeckt, dass ganz in der Nähe Cape Kidnappers liegt. Gemäss Beschreibungen müssen dort meine Vorfahren leben und zwar in vier verschiedenen Kolonien. Die nennen sich Tölpel. Hahaha. Als wir dort am PP ankamen stellten wir aber fest, dass es für einen Besuch mindestens 5 Stunden braucht und man bei dieser Wanderung auf Ebbe und Flut achten muss. Da wir diese Kenntnisse nicht haben mussten wir passen, meine Lawinenkenntnisse konnte ich hier nicht anwenden.

Also fuhren wir wieder zurück nach Napier, wo wir ein neu umgebautes Hotel gefunden. Am Morgen hatten wir einen Sonnenaufgang erlebt wie sonst nur in den Bergen. Nachher ging's los Richtung Waipukurau und Porangahau. Dort näherten wir uns dem Tageshighlight. Zuvor aber haben uns aber die Strassenschilder wieder einen Streich gespielt. Dank diesem Umweg lernten wir einen sehr freundlichen Farmer und eine überaus hilfsbereite Tankstellenfrau kennen. Wir waren nicht weit von unserem Ziel entfernt, wenn wir Eingangs Dorf sofort rechts abgebogen wären. Any Way - Den Zungenbrecher mit 85 Buchstaben, das längste Wort der Welt, auf einer Tafel von 10 m Länge notiert, hat übersetzt in etwa folgende Bedeutung: "Die Kuppe des Hügels, auf dem Tamatea, der Mann mit den grossen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte und der rund um das Land gesegelt war, seiner Liebsten auf der Flöte spielte". Maorisch ist eine nicht einfache Sprache.

Nachher ging's weiter Richtung Tagesziel Dannevirke. Dieser Ort wurde von 1872 von Daenen gegründet. Am Vortag hat Maria im Internet eine lustige Übernachtungsmöglichkeit entdeckt. Per Email reservierten wir in der Museumslodge ein Zimmer. Das war wirklich der Hammer. Wir buchten bei Maureen und Bruce unsere Betten als B & B Angebot und haben im Japanzimmer geschlafen. Das war das Internationale Polizeimuseum und gehört einem pensionierten Polizisten. Von Uniformen, bis Abzeichen, von Mützen über Galauniformen, von Waffen über Modelle von Polizeifahrzeugen der ganzen Welt hin bis zu echten Polizeiautos der Chigago Highway-Police, einem Chinesischen Polizeimotorrad mit Seitenwagen und Vieles, Vieles mehr. Wir entdeckten sogar Mützen der Aargauer Kapo, Uniformen der Polizei aus München und, und, und. Bruce hat uns durch diese, sonst auch öffentlich zugängliche Ausstellung geführt und alles detailliert erläutert. Weil Maria und ich vom Fach sind, haben wir auch alles verstanden!!!! Immerhin bin ich Inhaber eines Bahnpolizei-Ausweises, vereidigt am 01. April 1966 in Baden. Da wir uns ja von zu Hause aus gewohnt sind unter polizeilicher Bewachung zu schlafen, haben wir dieses Angebot sehr genossen. Ich durfte mein Fahrzeug sogar im abgeschlossenen Hinterhof über Nacht parkieren. Geschirr und Essensvorräte von Maureen und Bruce befinden sich in einem begehbaren Tresorraum. Früher war dieses Gebäude das Polizeigebäude von Dannevirke. Gottlob waren unsere Pyjama nicht gestreift und gabs das Frühstück nicht in einer Zelle.

Heute traten wir die letzte Etappe auf der Nordinsel an. Sie führte uns von Dannevirke nach Wellington. Den ganzen Tag Regen und Schweinekalt, ehrlich, nur noch 11 Grad. Das Tat weh, doch die Landschaft ist nach der langen Trockenzeit über jeden Tropfen froh. Unterwegs entdeckte Maria einen braunen Tourismuswegweiser mit der Aufschrift: "Stonehenge Aotearoa". Den besuchten wir und wurden nach dem Bezahlen des Eintritts gleich unterwiesen. Wenn man astrologische Vorkenntnisse hätte wäre Vieles einfacher zu verstehen. Bald kamen wir uns vor wie wenn wir uns in einer spirituellen Sitzung befinden würden. Diese Einführung war sicherlich sehr interessant. Der Unterschied zu Stonehenge in England besteht darin, dass der Durchmesser in England 35 m beträgt und jener hier in NZL nur 30 m. Man kann Sommer, Herbst, Winter und Frühling bestimmen und nach Sonnenstand auch die Tierkreiszeichen bestimmen. Aber solange können wir nicht bleiben und müssen einfach Glauben was man uns gesagt hat. Das haben in früheren Zeiten bei Erich von Däniken auch gemacht.

Kurz vor Wellington haben uns zum letzten Mal kurvenreiche Berg- und Talstrassen alles abverlangt. Die vorher durch Maria ausgesuchten Hotels haben wir jeweils im ersten Anlauf, ohne Navy, angefahren. Nun logieren wir für drei Nächte im Mercure. Der Mietwagen wird am 07. Februar zurück gebracht. Seit Auckland haben wir auf den Kilometer genau deren 3000 gefahren.

Heute (06.2.2013) feiern wir hier mit den NZL den "01. August". Hier ist Nationalfeiertag. Wahrscheinlich haben die freundlichen Bewohner dieses Landes diesen Tag extra für uns eingeschoben.

Nun ruhen die Augen von Maria als guter Copilot, Kartenleser und Unterkunftsfinder und meine Finger als Blogwriter ein paar Tage aus. Am Freitag geht's mit der Fähre nach Picton. Wir melden uns wieder irgendwo vom südlichen Inselfestland.

Die "Raclette-Kiwis" senden die herzlichsten Grüsse an die Familien und an unsere Freunde.

Herzlichst

Maria und Peter

































Montag, 28. Januar 2013

Neuseeland hat soviel zu bieten

Von Paihia hinunter nach Auckland haben wir in Kawakawa einen Zwischenhalt eingelegt. Im Reiseführer Dumont ist festgehalten, dass Friedensreich Hundertwasser in Kawakawa gelebt und dort eine öffentliche Toilette gebaut hat. Das war sein letztes Werk. Auf der Rückreise nach Österreich ist er 71-jährig gestorben. In Kawakawa gibt es viele ähnliche Bauten wie Bänke u.a.m. Doch ein echter Hundertwasser ist eben nur diese öffentliche Toilette.

Mitten durch diese Ortschaft führte ein Gleis. Was haben wir gesehen als wir unser Auto in der Nähe des Bahnhofes parkiert hatten? Ein Dampfzug stand bereit und sollte diesen Bahnhof um 10.45 Uhr verlassen. Mitten im Strassenverkehr fuhr dieser Zug Richtung Akerama, angehängt waren drei Wagen, teilweise mit Längssitzbänken und ohne Scheiben in den Fenstern.

Wie schon die beiden Tage zuvor in Paihia trafen wir am Bahnhof von Kawakawa Hedy, Kari, Charlotte und Hans wieder. Nach einem kurzen Schwatz ging's für uns weiter Richtung Auckland. In Whangarei besuchten wir die legendären Whangarei Falls, welche als 24 m hohe Wasserfälle über eine Basaltwand ein fotogenes Sujet boten. Immer und immer wieder sind wir von der Freundlichkeit der Neuseeländer erstaunt. Ein Parkplatz wurde uns angeboten und ein freundlicher Mitarbeiter des örtlichen Tourismusvereins hat uns die guten Punkte zum Fotografieren erklärt und auch den einfachsten Weg hinunter zu diesen Wasserfällen. Als kleine Anerkennung habe ich beiden Herren ein kleines Schweizer Taschenmesser geschenkt. Der ältere der beiden hat ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt und ein echtes Swiss Army Knife aus der Hosentasche hervorgekommen.

Weiter ging's auf der Highway 1 Richtung Auckland. Nach einer flotten Fahrt standen wir plötzlich im Stau. Gleich nebenan eine Raststätte. Da haben wir uns die Zeit etwas verkürzt - meinten wir. Als der Stau nie kürzer wurde haben wir uns halt auch wieder in die Reihe gestellt und sind mit Stopp and Go weiter gefahren. Rund 10 Km war die Kolonne lang. Es war aber kein Unfall, welcher diese unangenehme Situation verantworten sollte, es war nur EINE Ampelanlage in Wellsford. Anschliessend lief der Verkehr wieder flüssig und wir fuhren wie "alte" Neuseeländer auf den dichtbefahrenen Strassen zum Airport. Zimmerbezug im Airporthotel Novotel. Tolle Aussicht von der 9. Etage des Hotels auf den Flughafenbetrieb. Da war was los. In den Arrival - und Departerhallen waren soviele Reisende anzutreffen, kaum zu glauben. Das Brautkleid von Claudia können wir bis zu unserer Rückkehr am 05. März zur Verwahrung abgeben. Übrigens, auf der Fahrt von Paihia nach Auckland habe ich vier Polizeikontrollen entdeckt, welche die Geschwindigkeit der Fahrzeuge kontrollierten.

Am Sonntag fuhren wir mit dem Airport-Bus nach Auckland. Zwischen Sonntag und Werktag machen die Neuseeländer keinen grossen Unterschied. Die meisten Geschäfte sind offen. Für uns war das toll. Mit einer Ferry liessen wir uns nach Devenport fahren. Dies ist noch so eine richtige englische Stadt. Die Chinesen würden sagen "Vely Blitisch". Sage und schreibe, in einem Schaufenster eines Hair-Salons habe ich eine Märklinmodelleisenbahnanlage entdeckt. Lore würde sagen, "Sau stark".

Als wir die Fähre zurück nach Auckland wieder besteigen wollten haben wir wieder jemanden von unserer Hochzeit getroffen. Melanie und ihr Freund sind vom selben Schiff ausgestiegen.

Nach unserer Rückkehr mit dem Bus ins Hotel sind wir wieder durch die Hallen des Flughafens geschlendert. Wahnsinn. Emirates hat an 20 Check-In Schaltern ihre Fluggäste empfangen. Alles Gäste Sydney / Abudabi. An diesem Abend sahen wir 2 Airbusse 380 nur für die Passagiere dieses Flug starten.

Zwischendurch sei festgehalten, dass wir noch nie ein so "gwundriges" Volk wie die Neuseeländer getroffen haben. You are come from? Howe are you? Why are you here? Dass wir eigentlich wegen einer Hochzeit hier sind, will uns fast keiner glauben. Und wenn, dann Staunen sie? Crazy!

Am Montag stand uns ein ganz besonderer Besuch vor. Der Weg führte uns von Auckland nach Wangamatha. Dort dürfen wir zwei Tage Gäste von Sue und Kevin sein. Sie sind langjährige Freunde der Familie Keller und haben Christian und Claudia bei den Vorbereitungsarbeiten für die Hochzeit sehr viel geholfen. Herzlichen Dank Sue und Kevin. Kevin, Claudia Keller, Maria und ich sind miteinander zu einem kleinen Beach gefahren. Dort wurde ich "angelernt" wie man ein Surfbrett, darauf stehend, auch als Kanu betreiben kann. Kevin hat mir das "links" vorgezeigt. Bei ihm war sogar sein Hund Giorgia auf dem Brett. Also kniete ich mich aufs Brett, paddelte ein paar Schläge vom Ufer weg.Es gelang mir sogar aufzustehen. Mit Giorgia habe ich allerdings nicht gerechnet. Die wollte auch zu mir aufs Brett. Den Rest könnt ihr euch denken. Sturz ins Wkasser und Salzwasser trinken. Beim 2. Versuch hat mich Claudia "abgeschossen" und ich genoss das köstliche Nass wieder in vollen Zügen. Doch dann hat's geklappt. Ist aber gar nicht so leicht. Anderntags plagte mich ein Muskelkater. "Alles tuets mer weh". Aber Sport ist gesund.

Anderntags erkundeten wir die Coromandel - Peninsula. Eine romantisch schöne Fahrt entlang kilometerlangen Strände, über Hügel und kleine Berge eine Kurve nach der andern. So konnten wir uns an den schönen Stränden kaum satt sehen die teilweise hohe Wellen ans Ufer schlugen, wie die Wellenreiter ihr Künste versuchten, wie die Kitesurfer in vollem Tempo hin und her glitten. Aber an diesem Tag hatten wir noch ein anderes Highlight auf dem Programm. Mit einer alten Bahn, welche eigentlich für die Förderung von Lehm für eine Tonfabrik erstellt wurde, sind wir eine Stunde lang gefahren. Da dieser Zug keinen Zahnradantrieb hatte und gleichwohl sehr stark an Höhe gewinnen musste, werden ganz einfach Spitzkehren angefahren. Durch Tunnels und über eine Doppelstockbrücke. Ein Zug fuhr unten in die eine und der andere Zug oben in eine andere Richtung. Das war wieder ein tolles Erlebnis. Am Abend haben wir Sue und Kevin eingeladen. Im noblen Boots-Club -Restaurant haben wir diniert.

Heute führte uns der Weg Richtung Süden. Unterwegs stellten wir fest, dass in diesem Gebiet den Strassen entlang sehr hohe Bäume - Alleenartig stehn. Auf der Strassenseite sind diese ganz flach geschnitten. Dieser Schutz gilt nicht dem Strassenverkehr, dahinter sind meistens ganze Kiwiplantagen angelegt. Erstes Etappenziel Rotorua. Da haben wir wieder ein tolles B and B gefunden, mit Schwimmbad. Der Grossvater der heutigen Besitzerin ist 1898 aus der Schweiz nach NZL ausgewandert. Sache get's. Hier wurde uns sogar für ein Trinkgeld die Wäsche gewaschen. Währenddem ich euch schreibe bringt Maria mit dem Bügeleisen den zurückgebliebenen Falten der Kleider den Garaus bei. Übrigens stellen wir fest, dass bei den B&B immer schöne Küchenkombinationen eingebaut sind, der Kühlschrank aber wird auf dem Boden stehend nur eingeschoben und steht immer so 10 cm vor.

Unsere nächsten Stationen sind Taupo, Napier, Dannevirke bis wir dann am 06. Februar, am Nationalfeiertag von NZL, in Wellington eintreffen werden. Dann lest ihr wieder von uns.

Also wir sind wohl auf und es ist alles Bestens, was wir auch von euch allen hoffen. Wenn's so weitergeht können wir von einer Traumreise sprechen. Wir stellen fest, dass dieses Land Neuseeland heisst, aber besser in Neuse(h)land umbenannt würde.

Herzlichst eure Auswanderer Maria und Peter









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